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Wanted Duchamps
Marcel Duchamp starb 1968 in seinem Badezimmer an einem Lachanfall beim Lesen eines Buches. WANTED DUCHAMPS heißt: Wie lebt Duchamp in den Arbeiten heutiger Künstler weiter, wenn sie sich an seinen Rauminstallationen und Wortspielen reiben.
Das Interesse Duchamps galt nicht nur Wasser und Gas auf allen Etagen, sprechenden Wasserhähnen in Badezimmern und Urinalquellen in Museen. Auch an anderen Orten und Aborten beobachtet er Installationen, in denen sich Dinge, Bilder und Wörter in einem Interface verschachteln. Duchamps Rebus-Installationen, Schachtelkoffer und Kofferwörter sind lesbare Texte. Sie zeigen ein überraschendes Zusammentreffen von scheinbar sehr Verschiedenem. Wenn Betrachter zunächst Rätselhaftes buchstäblich zu lesen beginnen, stoßen sie in den Rebus-Installationen auf hauchdünne Reibungsflächen zwischen Dingen, Bildern und Wörtern, zwischen Anwesenheit und Abwesenheit, Leben und Tod, Sinn und Nicht-Sinn, Kunst und Nicht-Kunst.
Badezimmer, Küche, Wohnung, Atelier, Schachtel, Koffer, Flasche, Schachbrett, Mundhöhle, Museum, Strassen, Garten, Baum, Container, Schubladen sind Räume für Konfigurationen aus Formen, Wörtern, Regeln, Künstlern, Beobachtern und Wahrnehmungsweisen. Aus ihrem Zusammenspiel wird Neues möglich.
Für Duchamp zeichnet sich der aufmerksame Beobachter durch ein Gespür für Inframince aus: durch Wahrnehmung der hauchdünnen Spur von neuen Möglichkeiten, die sich aus dem Reibungsgeschehen in einem Interface (einer Raum- und Konfigurationsverschachtelung) ergeben.
Beobachter fragen oft nach einem Schlüssel, der ihnen solche Räume aufschließt und ihnen ihre rätselhaften Verschachtelungen erschließt. Sie fragen nach Schlüssel- und Passwörtern. Duchamp hat den Schlüssel zu seinem Atelier mit ins Grab genommen. Und eine seiner letzten Installationen auf der Schwelle zwischen Räumen und der Erkundung von Zwischenräumen war eine Tür ohne Schloß. Verloren (abwesend als Objekt, anwesend als Bild) ist auch Duchamps Schachtel im Koffer No. XV/XX, in der ein geschlossenes Vorhängeschloss ins Zentrum des Buchstabens M eingeklebt ist.
WANTED DUCHAMPS versammelt Künstler und ihre Arbeiten, die schlüssige Antworten zu Duchamps Erbe in seinem 40. Todesjahr neu befragen. Und sie stellen die Frage nach Duchamps Lebenskunst als Schlüssel zur Lektüre heutiger Kunst. Warum ist Duchamp wanted? Und worin liegt die Belohnung? Gibt es Schlüsselwörter, die Duchamps Kofferwörter und –Installationen aufschließen? Wie Leben mit dem, was am Ende bleibt? [Robert Krokowski]

